Fressen Marder und Wiesel Hühner? – Hühnerstall mardersicher machen

Vielleicht hast du schon die Horrorgeschichten von anderen Hühnerhaltern gehört, als ein Marder in ihren Hühnerstall eingedrungen ist und ein Blutbad hinterlassen hat. Aber wie gefährlich sind Marder und Wiesel wirklich für unsere Hühner? Und wie können wir sie schützen?

Sowohl der Marder und das Wiesel fressen Hühner und können deutlich größere Tiere als sie selbst erlegen. Marderartige Tiere töten durch einen gezielten Nackenbiss und können in eine Art “Blutrausch” fallen, bei dem ihr Beutefang-Reflex durch die aufgeschreckten, umherflatternden Hühner immer wieder ausgelöst wird, bis sie alle Hühner getötet haben. 

Dabei können sie sich durch kleine Löcher und Spalten schlängeln; Steinmarder durch Löcher mit 5 bis 7 cm Durchmesser und Mauswiesel sogar durch Löcher mit nur 2 cm Durchmesser.
Der beste Schutz vor Marder und Wiesel ist ein rundherum geschlossener Hühnerstall. 

Wie erkennt man Marder, Wiesel und Iltis?

Der Marder, das Wiesel und der Iltis sind verschiedene (Unter-)Gattungen aus der Familie der Marder, auch Mustelidae genannt. In Deutschland leben folgende Arten:

  • Echte Marder: Baummarder (Martes martes) und Steinmarder (Martes foina)
  • Wiesel: Mauswiesel/ Zwergwiesel (Mustela nivalis) und Hermelin/ Großes Wiesel (Mustela erminea)
  • Iltis: Europäischer Iltis (Mustela putorius)

Alle diese Arten haben braunes Fell und lassen sich am einfachsten durch ihre unterschiedlichen Fellzeichnungen und ihre verschiedenen Größen unterscheiden. Sie stellen allerdings alle eine Gefahr für Hühner dar.

Unterschiede zwischen Mardern, Wiesel und Iltis:

GrößeAussehenTag oder Nachtaktiv?Nahrung
BaummarderGröße: 41 bis 52 cm – rotbraunes Fell
– Kehlfleck gelblich und abgerundet 
– Dunkle Nase und buschiger Schwanz 
nacht- und dämmerungsaktiv Omnivor/ Allesfresser, bevorzugt Fleisch: Nagetiere, Vögel und Eier, Insekten
– im Sommer hauptsächlich pflanzliches Material
SteinmarderGröße: 38 bis 59 cm– graues bis braunes Fell
– Kehlfleck weiß, gegabelt, reicht bis zu den Vorderbeinen 
– buschiger Schwanz und helle Nase
nacht- und dämmerungsaktiv Omnivor/ Allesfresser, bevorzugt Fleisch:
– Vögel und Säugetiere
– Beeren und Nüsse
Mauswieselkleinste Raubtierart Größe: 11 bis 25 cm -Fell oben rotbraun, Unterseite weiß
– kurzer Schwanz, ohne schwarze Spitze
sowohl tag- als auch nachtaktiv Fleischfresser: kleine Nagetiere, besonders Mäuse
HermelinGröße: 17 bis 32 cm – im Sommer: braune Oberseite und weiße Unterseite
– im Winter: komplett weißes Fell, mit schwarzer Schwanzspitze
im Sommer tagaktiv, im Winter nachtaktivFleischfresser: Vögel und kleine Nagetiere
– Insekten, Fische
Europäischer IltisGröße: 29 bis 39 cm – schwarzes bis dunkelbraunes Fell und gelblichen Unterfell 
– weiße “maskenähnliche” Gesichtszeichnung
Nacht- und dämmerungsaktiv vorwiegend Fleischfresser:
– besonders Frösche und Kröten,
– Vögel und Eier
– Fische und Nagetiere
Vergleich zwischen allen Arten der Marder Familien in Deutschland

Am bekanntesten ist der Steinmarder, ein der häufigsten Arten der echten Marder.  Baum- und Steinmarder sind leicht miteinander zu verwechseln, da sie sich sehr ähnlich sehen, sie lassen sich am besten anhand ihres Kehlflecks unterscheiden, bei Steinmardern ist der Kehlfleck weiß, reicht meist bis zu ihren Vorderbeinen und gegabelt. Baummarder dagegen besitzen einen Kehlfleck, der eher gelbliche und rund ist.

Steinmarder bevorzugen im Gegensatz zu Baummarder, Wiesel, Iltis und Hermeline nicht den Wald, sondern fühlen sich auch in der Nähe von Städten, Gärten und Parks wohl. Als Kulturfolger hat er sich mit der Zeit an die Nähe des Menschen gewöhnt und ist damit auch eine Gefahr für Hühner. 

Wann gehen Marder auf die Jagd?

Marder sind vorwiegend Nacht- und dämmerungaktiv, so dass ihre Angriffe berwiegend Nachts stattfinden. So kann man seine Hühner im ersten Schritt dadurch schützen, dass sie bei Beginn der Dämmerung im Stall sind. 

Baummarder

Können Marder, Wiesel, Hermeline oder Iltise Hühner töten?

Ja, Marder, Wiesel, Hermeline und Iltis können Hühner töten. Alle Marderartigen sind dafür bekannt geschickte Jäger zu sein, die ohne Probleme Beutetiere erlegen können, die ein vielfaches größer sind, als sie selbst. Sogar kleine Mauswiesel können deutlich größere Tiere töten, sodass Hühner und Kaninchen nicht vor ihnen sicher sind.

Hermeline zeigen bei ihrer Jagd auf Kaninchen durch eine spezielle Taktik, welch schlaue Jäger sie sind. Wenn sich Hermeline nicht an ihre Beute anschleichen können, beginnen sie spielerisch wild herumzutollen, sodass sie ungefährlich aussehen und ihre Beute verwirren und ihr dabei immer näher kommen. Sobald sie nah genug sind, greifen sie blitzschnell an. Ein weit verbreiteter Mythos, dass Hermeline oder Wiesel ihrer Beute das Blut aussagen, hat sich als allerdings falsch erwiesen. 

Wie töten Marder und Wiesel ihre Beute?

Alle Arten der Marder-Familie töten ihre Beute mit einem Nackenbiss und sie können in einen “Blutrausch” fallen. Dabei töten sie alle oder fast alle Tiere in einem Stall, auch wenn sie diese unmöglich alle fressen können.

Der “Blutrausch” ist tatsächlich ihr angeborener Reflex zum Beutefang, indem der Marder automatisch auf Bewegung seiner Beute, bei unseren Hühnern auf ihr panisches Geflatter reagiert. Sobald das Geflatter aufhört, hört auch der Marder auf zu töten, wenn die Hühner allerdings versuchen dem Marder zu entkommen, kann es schnell passieren, dass er alle Hühner in einem Stall tötet.

Sofern alle Hühner im Stall ruhig bleiben kann es auch gut sein das der Marder nur ein Ei stiehlt und wieder verschwindet. 

Den Hühnerstall Marder und Wiesel sicher machen – Schutzmaßnahmen

Marder und Wiesel können sich durch die kleinsten Spalten und Löcher zwängen. Ein Baum- oder Steinmarder kann sich durch Löcher mit einem Durchmesser von 5 bis 7 cm schlängeln, junge Tiere sogar durch 3 cm. Das kleine Mauswiesel kommt ohne Probleme durch 2 cm breite Löcher. 

Der wichtigste Schritt, um seinen Hühnerstall vor Mardern zu schützen, ist deswegen darauf zu achten, dass es keine Spalten gibt, die die Tiere zum Eindringen nutzen können. 

  • Bei einem Hühnerstall aus Holz regelmäßig auf Löcher oder modrige Stellen überprüfen 
  • Löcher, Spalten, Lüftungsöffnungen und Spalt zwischen Decke und Wand mit engmaschigem Drahtgitter* verschließen 
  • Hühner bei Dämmerungsbeginn in den Stall bringen – Automatische Hühnerklappe* 
  • Installation einer Wildkamera*

Da Wiesel und Marder gute Kletterer sind, muss man darauf achten, dass der Hühnerstall wirklich rundherum geschlossen ist und es keine Spalten oder modrige Stellen im Holz gibt, durch die sich ein Marder durchbeißen könnte.

Auch Mauselöcher, die von außen in den Hühnerstall führen, können ein Weg für ein Mauswiesel sein, um in den Hühnerstall zu gelangen. 

Neben dem sicheren Hühnerstall ist es auch wichtig, dass die Hühner Nachts und bei Dämmerungsbeginn im Stall sind, dabei kann eine automatische Hühnerklappe helfen, die sich zu bestimmten Zeiten selbst öffnet und schließt. Meist brauchen die Hühner einige Zeit, um sich an die Klappe zu gewöhnen, deswegen sollte man in den ersten Wochen kontrollieren, ob auch wirklich alle Hühner im Stall sind. 

Wenn man nachts ein Auge auf seinen Stall haben möchte, kann auch Wildkameras installieren, die im Dunkeln und durch Bewegung ausgelöst Bilder oder Video aufnahmen machen können. So kann man feststellen, ob es Hühnerdiebe gibt, wie Füchse, Marder oder Wiesel, die sich dem Hühnerstall nähern.  

Darf man Marder töten, vergiften oder einfangen?

Marder stehen meist nicht unter einem speziellen Arten- oder Naturschutz, fallen allerdings unter das Jagdrecht, wodurch man sie nur unter bestimmten Umständen töten oder einfangen darf:

  • bei Besitz eines Jagdscheins
  • außerhalb der Schonzeiten, bzw. nur innerhalb der Jagdzeit 
  • außerhalb von Wohngebieten, sogenannten “befriedeten Bezirken”
  • oder mit Sondergenehmigung 

Bei einem Verstoß gegen diese Gesetze kann es ein Bußgeld bis zu 5000 euro oder eine Freiheitsstrafe kommen. Da das einfangen oder vergiften von Mardern verboten, bzw. für die meisten Leute keine machbare alternative darstellt, bleibt nur das Vertreiben.

Hermelin im weißen Winterfell

Marder und Wiesel vom Hühnerstall vertreiben

Beim Vertreiben von Mardern und Wieseln, auch “Vergrämen” genannt, gibt es verschiedene Methoden Marder zu vertreiben: 

Allgemein meiden Marder alles, was auf vermehrte menschliche Aktivität hindeutet und sie erschreckt, wie plötzliche Bewegung, Licht oder Gerüche von Hunden.

Ob und wie oft es einen Marder davon abhält, sich dem Hühnerstall zu nähern, hängt auch viel davon ab, wie hungrig er ist. Deswegen ist der wichtigste Schritt, den Hühnerstall selbst Marder sicherzumachen.

Fazit

Marder und Wiesel sind geschickte Jäger, die auch gerne Hühner fressen, wenn sie leichten Zugang zu ihnen haben. Durch einen sicheren Hühnerstall kann man seine Hühner aber erfolgreich schützen.

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